AMC Intern / Chronik / Alles passé...

Heute: Ein (fast) ganz normaler Clubabend...

Die Mitglieder des AMC waren und sind auch heute noch über den ganzen Bereich des unteren Breisgaues verstreut zuhause. Deshalb auch der Name : AMC Unterer Breisgau. Folgerichtig - und damit wir auch im ganzen Mitgliedereinzugsgebiet präsent waren - haben wir früher unsere Clubabende nicht nur im Vereinslokal „Fuchsen“ in Emmendingen, sondern in unregelmäßigem Turnus in Lokalen des gesamten Breisgaues abgehalten. Oft waren wir auch bei unserem inzwischen verstorbenen Clubkameraden Albert Haas in seinem Cafe in Landeck oder in dem ein paar hundert Meter tiefer gelegenen Gasthaus Rebstock. Da hatte dann unser alter Clubfreund Hugo Hüller, BMW R51/3 Driver und Vater der Wirtin vom " Wintenreuter Hof ", nur ein paar Schritte abwärts zu gehen und schon war er dabei.

Auch an einem Spätsommerabend, es muss so 1959 oder 60 gewesen sein, der Mais stand schon sehr hoch und war kurz vor der Ernte, verließen einige der getreuen AMC-ler zu relativ später Stunde den Rebstock, um nach Hause zu fahren.

Ich hatte - wie die meisten - bereits ein Auto, ein weinrotes VW- Cabriolet, wunderschön mit allem Schnickschnack wie Weißwandreifen, Blumenvase usw, usw, wie das damals halt Mode (oder neudeutsch "in") war.

Oft war es nun so, dass diese Heimfahrten mehr oder weniger zu Privatrallye’s - mit Le-Mans-Start aus dem Gasthaus heraus, ausarteten.

Einer der Wenigen, die an diesem Abend noch mit dem Motorrad gekommen waren, war unser Heinz Wessel selig, nicht verwandt und nicht verschwägert mit Horst Wessel, dem Komponisten und Texter des unrühmlichen , nach ihm benannten Liedes "Die Fahne hoch".

Heinz war ein langer, hagerer, kühler Bursche aus dem Norden und vielleicht deshalb Bier und Korn nicht ganz abgeneigt. Ihn hatte es in oder nach den Kriegswirren irgendwann einmal nach Emmendingen verschlagen, wo er dann hängen geblieben ist.

So lange es mir denkt, saß er im Landratsamt an der Pforte und bediente die Telefonanlage.

Er hatte im Krieg ein Bein verloren und fuhr deshalb ein Gespann.

Dies mit Liebe und Überzeugung, ich erinnere mich nicht, dass er jemals zu einer vierrädrigen Blechkiste - wie er Autos zu nennen pflegte - übergewechselt ist.

Seine Maschine: eine Vorkriegs-BMW-R 12, Baujahr 1937 ( also so alt wie ich) mit 750 ccm  seitengesteuertem Boxermotor mit 20 PS Leistung. Das Fahrwerk war noch als Press-Stahlrahmen ausgebildet, ohne Hinterradfederung, aber bereits mit Telegabel vorn. Daran hing rechts ein ziemlich unförmiger, schwerer Seitenwagen. Das Ganze schwarz lackiert, mit den BMW-typischen weißen Zierstreifen.

So weit, so gut, jetzt aber zurück zur eigentlichen Story.

Also unser Heinz war, nachdem er - wie gesagt - im Rebstock davor "gut getankt" hatte, mit seinen 2 Krücken so schnell aus dem Lokal, dass ich beim Hinausgehen gerade noch gesehen habe, wie er mit seinem einen Bein die Maschine ankickte, indem er sich an Lenker und Soziussitz mit den Händen abstützte und so auf den Kickstarter sprang. Ich (war auch einer der Schnellsten) ins Auto, Schlüssel rum und weg war der Heinz.

Danach sah ich nur noch, nach jeder Kurve von Landeck oben herunter, etwas entfernt seine Rücklichter.

Plötzlich aber, nach der zweiten oder dritten Rechtskurve, waren auch diese verschwunden.

Da er aber auf dieser kurzen Distanz, von Landeck bis Mundingen sind es gerade mal ca. 3 Kilometer, unmöglich so viel Vorsprung heraus gefahren haben konnte, dass man ihn ganz aus den Augen hätte verlieren können, habe ich langsam gemacht und meine Blicke links und rechts der Straße umher schweifen lassen. Und siehe da, links - ganz weit in einem etwas tiefer liegenden Welschkornacker -entdeckte ich wieder die mir von vorher vertrauten Rücklichter, allerdings nicht in der Horizontalen, sondern vertikal übereinander. Ich bin dann mit blinkenden Stopplichtern zurück gestoßen, (Warnblinklicht gab’s damals noch nicht) und bin, der "Einflugschneise" entlang, hinunter gesprungen. Dort saß der Heinz, glücklicherweise völlig unversehrt, nur dreckig und fluchend auf dem Boden, unweit seines kiel(Seitenwagen)oben stehenden Gespann’s. Empfangen hat er mich mit den Worten : "Gut, dass du kommst, der Saubock hat mich abgeschmissen."

Inzwischen waren noch ein paar Kumpels durch den Acker herunter getrabt, die das Malheur auch irgendwie mitbekommen hatten.

Also haben wir das Gefährt wieder auf die Räder gestellt, den immer noch brummelnden Heinz ins Boot gesetzt und so bin ich dann mit der Fuhre, nachdem die Kiste zunächst nicht anspringen wollte, eine weitere Schneise ziehend, nach unten aus dem Maisfeld heraus und danach wieder auf die Straße zurück gefahren.

Aufwärts, also da, wo der Heinz her kam, wär’s wohl nicht gegangen, zumal da noch bis zur Straße ein kleiner Rain zu überwinden gewesen wäre.

Wieder auf der Straße angelangt, haben wir kurz beschlossen, dass Walter (Reger) mein Cabrio übernimmt und ich das Gespann erst mal zu seinen Schwiegereltern in Mundingen in die Scheune fahre. Da blieb es dann einige Tage, ganz hinten und zugedeckt, stehen, bis die Luft rein war, d.h. kein Bauer Schadensersatzansprüche für den Flurschaden gestellt und kein neugieriger Polizist sich gemeldet hatte.

Später haben wir das Gerät "zwische Nacht un siehsch mi nit" nach Emmendingen in die Werkstatt gekarrt, dort sofort gewaschen und die paar kleinen, bei der Notlandung entstandenen Schäden repariert, so dass der Heinz seine - inzwischen wieder geliebte - Karre abholen konnte.

Ich glaube, es ist bis heute nicht heraus gekommen, wer damals den schönen Welschkornacker verrammelt hat.

Aber jetzt, da alles verjährt und Heinz lange schon unter der Erde liegt, darf man´s ja erzählen. Sicher hat’s der Bauer längst vergessen, oder zumindest verziehen.

Bis zum nächsten mal !

Euer Oldi Rolf / 30.12.2006                                                                                                     

 

Letztes Update:
17.07.2009 22:15

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