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Herbert’s Motorräder - Teil 1

Jeder im Club kennt unseren Sportleiter Stefan Bernhart - seines Zeichens Fahrradhändler in Emmendingen am Bahnhof, sowie in Teningen und neuerdings ganz groß auch in Waldkirch.
Seine trialsportliche Laufbahn begann er 1979 beim AMC als Vierzehnjähriger auf einer kleinen Fantic, die ihm sein motorradbegeisterter Vater geschenkt - und gleich noch den passenden Trailer dazu gebaut hat. Seine größten Erfolge waren nach einigen vorderen Plätzen bei TSG- und TSV-Läufen: 1984 OMK-Pokal-Sieger (Anm. d. Red.: OMK = Oberste Motorsportkommission) und 1986 ein 3. Platz bei der Deutschen Meisterschaft der A-Lizenz-Fahrer.
Zumindest die Älteren oder schon länger zum Club gehörenden können sich sicher an seinen Vater, den Herbert Bernhart, erinnern. War er doch immer, wenn es ums Trialen ging und auch sonst stets an Stefan’s Seite und für ihn da. Auch im Verein war er fest integriert - und dies bereits seit der Gründung der Kradgruppe 1951. Man findet seine Unterschrift bereits auf der Anwesenheitsliste einer Generalversammlung der AMC-Kradgruppe, welche am 11. Juni 1952 im damaligen Gasthaus Rebstock in Emmendingens Theodor-Ludwig-Straße stattfand.
Bereits vor dieser Zeit, also schon 1950 und noch früher, war Herbert’s größter Wunsch: Ein Motorrad muß her!
Ein solches Gerät, eine 350 cm³ Triumph - Einzylinder, Zweitakter, Vorkriegsmodell mit einer Parallel-Federgabel vorn und ohne Hinterradfederung - hat er 1951 zusammen mit seinem Vater Eugen in einer Scheune ausgebuddelt, wo man es vollständig zerlegt und in viele Kartons verpackt vor der Wehrmacht und den Besatzungsmächten versteckt hatte. Dementsprechend sah das Teil auch aus, welches in diesem Versteck einen jahrelangen Dornröschenschlaf gehalten hatte.
Für Herbert - gelernter Mechanikus - sollte dies jedoch nicht das größte Problem sein. Nur eine Werkstatt oder ähnliches standen ihm bei den damaligen Nachkriegsverhältnissen natürlich nicht zur Verfügung. Also schleppten sie nach und nach - Karton um Karton - in Mutters Küche in der Emmendinger Talstraße im 1. Obergeschoß (!!). Der geneigte Leser kann sich sicher vorstellen, wie begeistert die “Mama” davon war! Dort wurde wochenlang geputzt, geschraubt, gefeilt, geschliffen und zum Schluß lackiert und montiert, bis das edle Stück in neuem Glanz erstrahlend im Raum stand.
Nun, die Mama war sehr froh darüber, dass jetzt endlich alles vorbei sein sollte, war der große Augenblick doch gekommen, wo der Höllenmaschine - mittels ein paar Liter Zweitaktmischung und einigen kräftigen Tritten auf den Kickstarter - neues Leben eingehaucht werden sollte. Ein erster Versuch scheiterte am massiven Protest von Mama Bernhart. Sie hatte schließlich schon genug mitgemacht in den letzten Wochen - und war absolut nicht mehr bereit, in ihrer Küche auch noch den Probelauf zu erdulden. Das mußten die “Männer” dann auch notgedrungen einsehen.
Also mußte die dreieinhalb Zentner schwere Maschine hinunter in den Hof. Beim Versuch dieses Transfers ins Freie - also zur Küchentüre hinaus, ums Eck herum und die enge Treppe hinunter, stellte sich trotz aller Bemühungen heraus, daß das Gefährt so einfach nicht nach unten zu bekommen war. Der Bock war einfach zu sperrig! Nun war guter Rat teuer und auch einige derbe Flüche halfen nicht. Diese sollen hier der Fairneß halber keinen Niederschlag finden - bis auf einen markanten, von Eugen zornig losgelassenen Wortschwall:
“DER KARRE BLIBT BINANDER - UN WEM MER Ä WAND RÜSBRECHE MIEN !!!”
(Fortsetzung folgt...)
 

Bis zum nächsten mal

Euer Oldi

Rolf                                                                                           /11.04..04

 

 

Heute: Herbert’s Motorräder - Teil 2

 
Im 1. Teil der Geschichte habt Ihr ja erfahren, daß die Maschine nicht so einfach zur Küche hinaus zu bekommen war. Lest nun, wie es weiterging...
 
So weit kam es dann doch nicht, denn nach einer Bierpause - und nachdem das Vorderrad ausgebaut und eine Lenkerhälfte abmontiert war - haben es Vater und Sohn mit dem inzwischen dazu gekommenen Kumpel Heinz Zeller dann doch geschafft, die Maschine unversehrt in den Hof zu bekommen.
Dort lief die Kiste nach einigen Kick-Tritten dann tatsächlich - jedoch nicht ohne sich vorher mit ein paar ohrenbetäubenden böllerschußartigen Fehlzündungen akustisch und anschließend optisch mit einem Nebel - wie ihn die beste Disco heute nicht erzeugen könnte - weithin bemerkbar zu machen, so daß jedermann/frau in der Talstraße wußte: jetzt hat’s der Herbert wirklich geschafft, die alte Karre wieder zum Laufen zu bringen. Natürlich war nun die Freude bei den Bernhards groß - und aller Unbill war vergessen.
Der Herbert ist dann tags darauf mit stolz geschwellter Brust aufs Rathaus marschiert und hat sich ein Kennzeichen besorgt. Eine TÜV-Abnahme kannte man damals (glücklicherweise!) noch nicht. Der technische Zustand der Fahrzeuge wurde, wenn überhaupt, von der Polizei bei gelegentlichen Straßenkontrollen überprüft. Die Schupos waren meist schon zufrieden, wenn wenigstens vorn und hinten ein Licht brannte und nicht gerade der Seilzug der Vorderradbremse gerissen war...
Einen Tag später startete unser Herbert mit seiner Triumph in Begleitung seines Freundes Heinz, der gerade erst seine neue BMW R25 erstanden hatte, zur ersten Testfahrt in den Schwarzwald. Prompt wurden die beiden in Lenzkirch von einem eifrigen Dorfpolizisten gestoppt - wahrscheinlich sind sie etwas flott daher gekommen! Als dieser jedoch Heinzens neue BMW sah, sank sein Interesse an Herberts altem Ofen gegen Null! Als Herbert dies erkannte, legte er sofort den Gang ein und fuhr los mit den Worten: “Ich fahr’ emol langsam widder!”
Kurz darauf hatte Heinz seinen Freund wieder eingeholt. Während er neben ihm fuhr, rief er ihm zu: “Wurum bisch Dü denn abghaue?” Da winkte der Herbert mit dem losen Lenkerende in der Hand und schrie - das Zweitaktgeknatter mühsam übertönend: “Was meinsch, wenn der des gsähne hätt! Und dass i nit emol ä Satteldecki druf hab!!” Offensichtlich hatte man am Vortag versäumt, den Lenker wieder richtig festzuschrauben...
Dennoch kamen die beiden nach einer schönen Tour am Abend wieder frohgelaunt und gesund in Emmendingen an, und Herbert hatte in den folgenden Jahren noch viel Freude an und mit seiner Triumph.
(Fortsetzung folgt...)
 

Bis zum nächsten mal

Euer Oldi

Rolf                                                                                             /29.04.04

 

Herbert’s Motorräder - Teil 3

Wie Ihr im zweiten Teil der Geschichte erfahren durftet, war Herbert einige Jahre glücklich mit seiner Triumph, ist viel damit herum gekommen, hat an Fuchsjagden, gemeinsamen Motorradausflügen mit seinen Freunden und Orientierungsfahrten teilgenommen und hat auch immer wieder etwas daran verändert oder verbessert, bis er sich dann 1957 eine nagelneue BMW R25/3 für stolze 2.150 Deutsche Märker leisten konnte. Das war viel Geld damals (nur zum Vergleich: ich habe seinerzeit als KFZ-Mechaniker 200 Mark brutto verdient...).
Dieses edle Stück hat er über den Regi Wäldi gekauft, der in dieser Zeit schon eine Motorradwerkstatt in Emmendingens Markgrafenstraße betrieb. Da der Wäldi jedoch kein BMW-Händler war, lief der Deal über einen Händler in Tiengen am Hochrhein, wo das Teil auch abgeholt werden mußte.
Also hat Herbert, seinerzeit Bierkutscher bei der Brauerei Ganter in Freiburg, mich mit dem LKW auf seine Hochrheintour bis Tiengen mitgenommen, damit ich seine brandneue Maschine nach Emmendingen überführen konnte.
Ich meinerseits, damals ein junger Spund von 20 Jahren, konnte nur eine 98er Adler mein eigen nennen und war mir der Ehre, die mir da zuteil wurde, natürlich voll bewußt. Dementsprechend bin ich mit dem Ding auch umgegangen wie mit einem rohen Ei. Dennoch habe ich die Fahrt das wildromantische Schwarzatal hoch, am Schluchsee entlang und über Hinterzarten das Höllental hinunter, durch Freiburg und bis Emmendingen trotz Dauerregens voll genossen. Es war ein Konzert der besonderen Art, das Echo des sonoren Viertakters zwischen den Felswänden von Schwarza und Höllental zurück zu bekommen.
Überlegt Euch mal, welches Urvertrauen Herbert in mich gesetzt haben mußte, bzw. anders herum gesehen: Wie sehr wird wohl der arme Kerl an diesem verregneten, kühlen Tag geschwitzt haben und wieviel “Beruhigungs-Ganter-Freibier” getrunken haben, bis er endlich abends seine kostbare Neuerrungenschaft mit 102 km auf dem Tacho und bereits wieder gewaschen, Ventile eingestellt, alle Schrauben kontrolliert, Öl gewechselt und ohne einen Kratzer in Empfang nehmen durfte, um anschließend stolz wie ein Spanier zu Reger’s engem Werkstatthof hinaus zu kurven.
Ja, so war das früher: So ein Motorrad - egal ob ein altes, mit viel Liebe restauriertes, oder ein mühsam zusammen gespartes neues - bedeutete einem etwa eben so viel wie heute ein Porsche oder zumindest ein Mercedes...
 

Bis zum nächsten mal

Euer Oldi
Rolf                                                                                                      
/30.05.04


PS: Diese Geschichte habe ich geschrieben im Gedenken und zur bleibenden Erinnerung an Stefan’s Vater, unseren Clubkameraden und Freund Herbert Bernhart, der leider im November 1994 viel zu früh von uns gehen mußte. Ich weiß, dass er schmunzeln würde, wenn er sie noch lesen könnte...

 

 

 

 

Letztes Update:
17.07.2009 22:15

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