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Heute : Motorradenthusiasten
(die Vorgänger der AMC-Trialer )

Im März 1955, als BMW die R50 neu auf den Markt brachte - mit bewährtem, typischem Boxermotor, 500 cm³ und auf 26 PS erhöhte Leistung sowie als Novum eine Schwinge als Vorder u. Hinterradfederung - war unser Ehrenmitglied Heinz Zeller einer der Ersten, die ein solches Wundergerät ihr eigen nennen durften.

Natürlich wurde diese neue Maschine von allen AMC- und anderen Freunden bestaunt, begutachtet und im Freundeskreis auch gebührend getauft.

Zu diesem Zweck fuhr unser Heinz (selbstredend mit eigener Motorkraft) direkt über die Gewerbekanalbrücke hinein ins damalige Clublokal „Zum Fuchsen„ am Emmendinger Stadttor. Dort wurde das edle Teil zusammen mit ein paar Freunden auf den Tisch gehoben und mit Sekt übergossen. Später wurde es übrigens ausschließlich - dies sei aber nur am Rande erwähnt - stets mit feinstem Haarshampoo gewaschen, denn sein Motorrad war dem Heinz mindestens ebenso viel wert wie die Köpfe seiner Kundschaft.

Das  Bild zeigt den stolzen Besitzer (2. v. re. ) hinter seiner Neuerrun- genschaft, zusammen mit den Tauf- paten (vo. li. n. re.) Ehren- mitglied Hans Sauter, Willi Krieg, Ehrenmit- glied Walter Reger, Erwin Sillmann, Franz Zeller (Bruder v. Heinz ) und ganz rechts der damalige Pächter des Fuchsen, Werner Murst.

Voll Stolz prahlte Heinz an einem der folgenden Clubabende einmal damit, dass seine neue Maschine so ruhig und wie auf Schienen laufen würde, dass er jede Wette eingehen könnte, damit freihändig auf dem Sozius sitzend vom Stadttor bis in die Unterstadt zu fahren und sich dabei noch zu rasieren.

Wetter waren da natürlich sofort genügend zur Stelle. Um was gewettet wurde, weiß ich jetzt nicht mehr genau. Sicher ging’s um was zu Trinken für die Mannschaft, denn Durst war immer vorhanden und zudem: Dieses Schauspiel wollte sich keiner der Clubkollegen entgehen lassen.

Kurz darauf war es an einem schönen Sonntag Morgen dann so weit, dass unser Barbier unter dem Gejohle der zahlreich angetrabten Freunde und sonstiger Neugieriger sich freihändig auf dem Sozius sitzend rasierte, während er die Karl Friedrichstraße hinunter fuhr und natürlich die Wette gewann. Ob er vorher heimlich geübt hat, weiß man allerdings nicht. Zum Glück war damals noch viel weniger Verkehr als heute, so dass so ein bravouröser Ritt überhaupt möglich war. Aber dennoch: Man stelle sich das heute einmal vor!

Unter den Zuschauern war auch das damalige AMC-Mitglied und begeisterter Horex-Fahrer Walter Pracht aus Bottingen. Walter war bekannt dafür, dass es fast nichts gab, was er u. seine Horex Regina nicht konnten.

So wurde die Regina zwischendurch auch mal vor die Egge gespannt, wenn der Gaul gerade fußkrank war. Kurzum - der Walter konnte die Schmach, die man seiner Horex angetan hatte, nicht länger ertragen. Also verkündete er an einem der folgenden Clubabende, dass seine Regina ja noch viel eleganter fahren und die Spur halten würde als diese neue R50 und er dies jederzeit unter Beweis stellen könnte, indem er freihändig auf dem Sattel stehend die gleiche Strecke ohne Probleme abfahren würde.

Was für ein Hallo im Saal! Wie viele spontane Wetter sofort zur Stelle waren, ist nicht überliefert, es waren jedenfalls genügend.

So kam es dann, dass Walter am folgenden Sonntag, wohlgemerkt auf der nicht abgesperrten Bundes- straße 3, denn eine Stadtumfahrung gab es seinerzeit noch nicht, in der Unterstadt sein Kunststück vor- führte und erst in Höhe des Gasthauses „Bären„ wieder in den Sattel stieg.

Also : Wette gewonnen und die Ehre der Horex gerettet! Dieser Triumph wurde dann anschließend im Fuchsen kräftig gefeiert.

Allerdings später dann auf dem Heimweg nach Bottingen nahm das Schicksal seinen Lauf, als nämlich der Walter in seinem feucht-fröhlichen Übermut den Teningern seine Künste auch noch zeigen und in gleicher Manier über den Kronenplatz fahren wollte, wo es damals noch nicht gerade drüber ging wie heute, sondern erst rechts und danach wieder links ums Eck. Da hat er die Kurve nicht gekriegt und konnte seine Haut nur mit einem gewaltigen Absprung retten, während die geliebte Horex ins gegenüber liegende Scheunentor knallte, was sowohl dem Motorrädle wie auch dem Tor nicht gerade gut bekommen ist.

Aber auch diese Schäden hat der Walter danach wieder hingekriegt und ist dann noch eine ganze Weile Horex gefahren bis er schließlich doch zum damaligen Traumfabrikat BMW überwechselte, bei dem er übrigens bis heute geblieben ist, denn man kann ihn mit seinen inzwischen 77 Jahren auch heute noch auf seiner R45 durchs Dorf brummeln sehen.

Und die Moral von der Geschicht : Alte Liebe rostet nicht!

Salut bis zum nächsten Mal

Euer Oldi

Rolf

12/04

 

Letztes Update:
17.07.2009 22:14

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