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Heute: Meine erste Fahrstunde...

An einem schönen Sonntag Morgen im Frühling 1949 - ich war gerade 12 Jahre alt geworden - war ich schon um 8.00 Uhr draußen und wollte sehen, ob meine Kumpels auch schon aus den Federn sind. Es war jedoch noch keiner auf der Platte.
Zu diesem Zeitpunkt wartete bereits eine Gruppe von ca. 30 Personen vor der Ramie-Kantine in Emmendingens Baumgartnerstraße auf einen Omnibus, mit dem sie zu einem Betriebsausflug (natürlich nur einer Abteilung, denn in der Ramie arbeiteten damals ca. 1.500 Menschen) starten wollten. Gleich darauf kam der Bus angefahren, und die Leute stiegen ein.
Als sich der Bus gerade in Bewegung setzte, fuhr mit einem Motorrädle ein wild winkender Mann um die Ecke, hielt an, schmiss das Kärrele in eine Nische neben der Kantine und rannte zum Bus, wo man ihn dann auch noch einsteigen ließ.
Nachdem der Bus weg und alles wieder ruhig war, stand sie nun (unverschlossen !!!) einsam und verlassen da, diese kleine Maschine. Es war eine grüne 98er Wanderer mit 2 Gängen und noch mit Tretkurbeln (wie heute ein Mofa) bestückt.
Als dann so nach und nach meine Spielkameraden aufs Trapez kamen, die meist nicht wussten, was man an so einem Tag treiben sollte, war in meinem Kopf der Plan schon gereift, dass wir dieses Rutscherle doch nicht einfach den ganzen Tag so vor sich hin dösen lassen konnten. Es war von seinem Besitzer, der sicherlich nicht vor dem Abend zurück sein würde, so achtlos in die Ecke geschmissen worden...
Also habe ich meinen drei Freunden vorgeschlagen, das Gerät an diesem Tag in den gehobenen Stand einer Fahrschulmaschine zu erheben.
Gesagt - getan! Nach theoretischer Einweisung durch mich (meine theoretischen Kenntnisse über die Bedienung eines Mopeds waren seinerzeit schon perfekt) bewegten wir die Wanderer mit spitzbübischer Freude und Euphorie abwechselnd über die umliegenden Gärten und Feldwege, bis der Tank annähernd leer war. Diese Feststellung war weniger erfreulich, denn wir wussten, dass am Sonntag nur die Aral-Tankstelle Beurer in Denzlingen an der B3 offen hatte. Und außerdem war Geld bei uns knapp.
Da wir aber “wohlerzogene und anständige” (!!) Buben waren, die wussten, was sich gehörte, haben wir unser Taschengeld zusammengelegt und sind - 2 Mann auf dem Mofa, einer als Späher mit dem Fahrrad voraus und einer als Rückendeckung hinterher - über Wasser nach Denzlingen zum Tanken gefahren.
Ich erinnere mich noch ganz genau, es war nicht sehr warm und wir hatten alle nur Hemd und kurze Hosen an, aber gefroren hat keiner bei dieser nervlichen Anspannung, denn das Donnerwetter, welches daheim losgegangen wäre, wenn uns ein Schupo erwischt hätte, war von jedem von uns gefürchtet!
Es ist aber alles gut gegangen, wenngleich der Tankwart vom Beurer zunächst schon etwas gestutzt, aber anschließend gegrinst hat. Wahrscheinlich hat er sich erinnert, dass er ja auch mal jung war.
Also wie gesagt, wir kamen wieder heil zurück und haben das Motorrädle mit vollem Tank wieder an seinen Platz gestellt, vorher aber noch die von unseren “Geländefahrten” verschmutzten Räder geputzt.
Spät abends dann - wir haben zugeschaut - hat sich der Besitzer wieder drauf gesetzt und ist heim gefahren, nicht ahnend, welche große Freude seine Wanderer während seiner Abwesenheit 4 Halbstarken bereitet hatte. In der Folgezeit stand das Ding nach Feierabend noch oft vor der Kantine, aber da man ja nie wußte, wann der Kerl heraus kam, wurde das Kärrele fortan nie mehr zur “Vorschulung” benutzt - zumindest nicht von uns.
Später dann, als ich ab 1951 eine KFZ-Mechaniker-Lehre absolvierte, hatte ich noch reichlich Gelegenheit, meine an diesem Sonntag erworbenen Grundkenntnisse im Konduiren zu verbessern, so dass die im Juni 1953 abgelegte Führerscheinprüfung Klasse 4 (für Fahrzeuge bis 250 cm³, die durfte damals mit 16 gemacht werden) letztlich für mich nur noch eine Routinesache war.
Fazit: Wenn die Sehnsucht nach dem Neuen, in diesem Fall das Motorradfahren, sowie der Leichtsinn der Jungen und der Alten nur groß genug sind und darüber hinaus noch ein wenig Glück im Spiel ist, passieren eben Dinge, die man erst nach langjähriger Verjährung der “Straftat” weiter erzählt.

 

Bis zum nächsten mal

Euer Oldi

Rolf                                                                                     25.03.05    

 

 

Letztes Update:
17.07.2009 22:14

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